Wer profitiert von Disteln?

Dieser Text und auch einige Bilder stammen aus meinem gleichnamigen Youtube-Video.

Disteln sind viel mehr als nur stacheliges Unkraut. Sie können heilen, lecker schmecken oder einfach nur schick aussehen.

Aber, was macht eine Distel eigentlich zur Distel? Und warum trägt die Artischocke kaum noch Stacheln?

Disteln vor Bauzaun
Disteln vor einem Bauzaun: Weg-Distel, Acker-Kratzdistel und Kugeldistel (v. l. n. r.).

Als Disteln werden verschiedene Pflanzen bezeichnet. Einige von ihnen sind nicht miteinander verwandt. Gemeinsam haben sie dennoch, dass ihre Blätter, Triebe oder Blütenstände mit Stacheln besetzt sind. Diese dienen vor allem dem Schutz vor Fressfeinden.

Bei einer ziemlich populären Distel, der Artischocke (Cynara cardunculus), wurden die Stacheln weitgehend weggezüchtet. Ursprünglich saßen sie an den Spitzen der Hüllblätter. Dadurch lassen sich die Blütenknospen leichter ernten, verarbeiten und essen.

Artischocke Pflanze verblüht
Verblühte Artischocken im Jardin de Simples in Cluny (FR).

An unseren heimischen Disteln sind die Stacheln hingegen meist noch zahlreich vorhanden. Das sie einen vollständigen Schutz vor Fressfeinden bilden, konnte ich nicht beobachten. Zumindest gegen saugende Insekten wie Blattläuse oder Weichwanzen scheinen sie nicht zu wirken.

Im Gegenteil, sie können sich zwischen den vielen Stacheln sogar gut verstecken. Aber sie schaden einer Distel auch nur, wenn sie in sehr großer Zahl auftreten.

Das gilt auch für die anderen Insekten, die auf Disteln leben. Denn neben den auffälligen Bestäubern wie Hummeln, Wildbienen, Käfern oder Schmetterlingen werden Disteln auch von weiteren wirbellosen Tieren besiedelt.

Kratzdistelrüssler auf Cirsium vulgare
Kratzdistelrüssler (Larinus turbinatus) & Cirsium vulgare (Gemeine Kratzdistel)

Vor allem auf den großen Arten aus den Gattungen der Ringdisteln (Carduus) und Kratzdisteln (Cirsium) tummelt sich eine ganze Reihe wirbelloser Tiere, die wichtige Funktionen in ihrem jeweiligen Ökosystem erfüllen.

So sind Spinnen, kleine Heuschrecken und Fliegen bei vielen Vogelarten als Nahrung beliebt und sie benötigen die eiweißreiche Kost für die Aufzucht ihrer Nachkommen.

Vögel profitieren aber nicht nur indirekt von Disteln, ihre Samen sind eine wichtige Nahrungsquelle für unsere gefiederten Freunde. Nicht ohne Grund wird der Stieglitz auch Distelfink genannt.

Insekten auf Acker Kratzdistel
Kratzdistelrüssler (Larinus turbinatus) & Cirsium arvense (Acker-Kratzdistel)

Auf gestörten Standorten, den sogenannten Ruderalstellen, zählen einige Disteln zu den Pionierarten. Besonders häufig ist die Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense). Sie verbreitet sich nicht nur über Samen, sondern auch über kurze Ausläufer und trägt zur Stabilisierung und Verbesserung des Bodens bei.

Leider sind es genau diese Eigenschaften, die sie zu einem gefürchteten Landwirtschaftsschädling machen können. Sie kann nämlich aus kleinen Wurzelteilen wieder austreiben, was vor allem im Biolandbau, wo Beikräuter mechanisch entfernt werden, zu Mehraufwand führt.

Disteln in der Küche

Disteln werden auch kulinarisch genutzt. Das aus der Färberdistel (Carthamus tinctorius) gewonnene Distelöl eignet sich für Salate und andere Rohkostgerichte. Braten sollte man damit aber nicht. Zudem ist sein Gehalt an Omega-6-Fettsäuren sehr hoch, weshalb das BZfE nur die gelegentliche und im Wechsel mit anderen Pflanzenölen erfolgende Verwendung empfiehlt.

Die jungen Blätter der Kohldistel (Cirsium oleraceum) können wie Spinat zubereitet werden, die Pflahlwurzel und Blütenknospen sollen ebenfalls essbar sein.

Kohldistel Cirsium oleraceum
Kohldistel, Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum)

Das gilt auch für einige weitere Disteln, dürfte allerdings an der Haptik scheitern, da bei vielen bereits die jungen Blätter schon zäh und faserig sind.

Aus den Samen der Mariendistel (Silybum marianum) lässt sich ebenfalls Öl herstellen. Ihr werden auch heilende Wirkungen zugeschrieben, unter anderem zur Unterstützung der Leberfunktion.

Spinne frisst Honigbiene auf Weg Distel
Eine Spinne hat auf der Blüte einer Weg-Distel (Carduus acanthoides) eine Honigbiene erbeutet.

Wer profitiert denn nun von Disteln?

Wie auch bei vielen anderen dieser sogenannten Unkräuter, profitieren von Disteln die Ökosysteme, die sie besiedeln, die Tiere die auf und von ihnen leben, sowie wir Menschen.

Ihr unmittelbarer Nutzen mag auf den ersten Blick nicht sonderlich hoch erscheinen. Aufgrund ihrer Stacheln und festen Blätter lassen sie sich weder leicht für die Vase pflücken noch eignen sie sich zum schnellen Naschen für zwischendurch.

Viel höher ist dafür ihr indirekter Nutzen. Sie versorgen zum Beispiel junge Hummelköniginnen im Herbst mit Pollen und Nektar, sodass diese gut genährt überwintern können und deren Nachkommen dann im nächsten Sommer die Blüten unserer Gurken, Tomaten und Erdbeeren bestäuben.

Ackerhummel bestäubt Distelblüte
Eine Ackerhummel (Bombus pascuorum) bestäubt die Blüte einer Weg-Distel (Carduus acanthoides).

Kategorien: Magazin |