Warum Unkraut kein Unkraut sein sollte

Wie wichtig Bienen für die Erzeugung menschlicher Lebensmittel sind, dieses Wissen ist in der sogenannten Mitte der Gesellschaft angekommen. Die fleißigen Insekten werden geschützt bis ihnen der Blütenpollen um die Flügel pfeift.

Nicht wirklich. Viele Maßnahmen, wie zum Beispiel die bienenfreundlichen Pflanzen für Garten oder Balkon, nützen überwiegend den Honigbienen. Die aber nicht vom Aussterben bedroht sind, da sie von uns gehalten und gezüchtet werden.

Wespe auf Färberwaid
Eine Wespe ruht im Blütenstand des Färberwaid.

Auch Wespen und Käfer sind bestäubende Insekten.

Ich sehe diese Maßnahmen als einen richtigen und wichtigen Anfang. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es noch viele weitere Insekten gibt, die Nahrung und Lebensräume benötigen. Was sie in unseren oft leergeräumten und auf Design ausgerichteten Gärten nicht finden.

Wir pumpen Wasser und Mineraldünger in Phlox*, grünen Rasen und andere Pflanzen, die außerhalb ihrer angestammten Regionen ökologisch wertlos sind. Von diesen Gewächsen können sich Insekten nicht ernähren. Trotzdem erwarten wir, dass die kleinen Krabbler im Frühjahr unsere Obstbäume und Gemüsepflanzen bestäuben.

Hosenbiene auf Wegwarte
Eine Hosenbiene bestäubt die Blüte einer Wegwarte.

In diesen Totgärten finden Bienen, Hummeln, Käfer und Falter, wenn überhaupt, nur im Frühjahr Nahrung. Allerdings dauert ihre Lebensspanne länger als von April bis Juni. Auch ihre Larven müssen fressen und sich verstecken oder überwintern.

Wer süße Kirschen und knackige Äpfel ernten will, muss den Bestäubern Lebensräume und Nahrung anbieten. Ganzjährig.

Hier kommen die pösen Unkräuter ins Spiel. Sie sind die Nahrungspflanzen dieser Insekten, von denen sich manche auf nur eine Pflanzenart spezialisiert haben und ohne sie nicht überleben können.

Wildstauden sind an unser Klima angepasst und müssen nicht gepäppelt werden. Außerdem blühen einige von ihnen im Winter, was gut ist für Wildbienen, die bei niedrigen Temperaturen von 2 bis 5 °C fliegen.

Mut zum partiell unkrautfreundlichen Garten.

Vielen Gärtnerinnen und Gärtnern fällt es schwer, ein klein wenig Unordung im Garten zu akzeptieren. Also dass sich Pflanzen ihren Standort selbst aussuchen oder von alleine dort ansiedeln. Sie betrachten ihre Gärten wie Vitrinen, wo alles seinen Platz zu haben hat.

Für sie habe ich einen Tipp: Lassen Sie nur wenige Quadratmeter verwildern, auch kleine Unkrautecken werden von Insekten und anderen Tieren gerne angenommen.

Schwefelkäfer auf Karotte
Der Schwefelkäfer (Cteniopus flavus) ernährt sich von Pollen, er ist auf Doldenblütlern zu finden, hier auf einer Wilden Möhre.

Das unkrautfreundliche Gärtnern bietet übrigens nicht nur den tierischen Gartenbewohnern Vorteile. Anstatt zu jäten und vertikutieren, kann frau die Zeit dort gemütlich mit den Lieben bei fein lecker Fresschen otter einem Gläschen Wein verbringen.

Salbei Marienkäfer
Kopulierende Marienkäfer auf den Blüteknospen des Wiesen-Salbei.

* Ich habe nichts gegen Phlox, er wächst auch in meinem Garten. Zwischen Löwenzahn, Weißklee, Wilder Rauke …

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